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08.01.13 14:45
_Aktuelles // 04.01.2013

Von: Paulina Jasmer

3 bis 4 Uhr: Bei der Spedition Gertner

Altentreptow (pj)

Fliesen, Sauerkraut, Popcorn - und mittendrin Ole Grapentin (19). Er lenkt den Gabelstapler. Wendig, schnittig, einmal hier um die Ecke, einmal dort in die Gasse. Rechts und links am Führerhäuschen leuchten Lampen.

Einmal zum Scannen bitte: Azubi Ole Grapentin (19) entlädt den Lkw mit dem Gabelstapler. Doch bevor die Ware im Lager verteilt wird, scannt Schichtleiter Matthias Gurisch (u.) den Code, der besagt, was auf der Palette verpackt ist. Foto: Paulina Jasmer

Es ist ein wenig schummrig in der Halle.

Ole Grapentins Nachtschicht beginnt Punkt drei Uhr bei der Spedition Gertner. Er ist Azubi im dritten Lehrjahr und nimmt täglich einen langen Anfahrtsweg in Kauf. Ole kommt aus Dargun. 52 Kilometer entfernt. Und nach der Schicht geht es diese Strecke auch zurück. Aber der 19-Jährige hat damit kein Problem. Er ist in einer Branche, in die er schon immer wollte, wie er meint.

Nach der Schule, da galt es, sich zu entscheiden. Wohin soll der Weg gehen? Die Ideale waren und sind groß. Sie finden ihre Erfüllung in der Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik.

Für die Nacht ist Glätte vorausgesagt

In dieser Nachtschicht befindet er sich dafür auch in bester Gesellschaft. Matthias Gurisch ist sein Schichtleiter. Ein alter Hase sozusagen. Er schaut penibel auf die Handgriffe, der junge Mann soll schließlich eine solide Ausbildung erhalten. Das hilft für später. ?Bei mir müssen die Lehrlinge auch die Halle ausfegen oder die Maschinen pflegen. Das gehört doch dazu?, sagt er und lächelt. Ja, seine Lehrlinge lernen alles Fachliche, von der Pike an, aber ebenso die unliebsamen Arbeiten wie Aufräumen machen sich eben nicht von allein.

Von diesen Aufgaben kann auch Tino Kasper, der Dritte im Bunde dieser Nachtschicht, berichten. Er war einst Auszubildender bei der Spedition Gertner und wurde vor fünf Jahren übernommen.

Dieses Trio hält nun in der Halle im Altentreptows Gewerbegebiet wacker die Stellung. Der Wetterfrosch hat für die Nacht Glätte vorausgesagt. Es kann sein, dass die neun erwarteten Lkw nicht pünktlich ankommen. ?Sie haben Stückgut geladen?, erklärt Ole Grapentin. Um Stückgut handelt es sich, wenn die Ware 30 Kilogramm bis 2,5 Tonnen auf die Waage bringt oder sperrig ist, sodass sie nicht per Paket verschickt werden kann. Webasto oder Mediamarkt gehören beispielsweise zu den Auftraggebern. Die Fahrzeuge kommen aus Hamburg, Magdeburg, Duisburg oder Köln. In der Halle baumeln von der Decke Schilder: Waren, Pasewalk, Neubrandenburg, Teterow, Prenzlau - diesen Regionen werden die Waren zugeordnet und lediglich zwischengelagert, denn in der
Stückgut-Halle bleiben die Produkte nur wenige Stunden. Morgens um sechs Uhr kommen 21 Fahrzeuge, um die Waren an ihre Empfänger aus der Region zu transportieren.

Auch Nachtarbeiter kommen an der Bürokratie nicht vorbei

Das Einzugsgebiet der Spedition Gertner, unter Geschäftsführer Lutz Osterland und seinen Kindern Sebastian und Kristina, reicht von Rügen bis Templin und im Westen begrenzt die A 19 Höhe Ribnitz den Gebietsschutz. Durch diese 21 Fahrzeuge am frühen Morgen sind zum Beispiel sogenannte 24-Stunden-Transporte möglich, klärt Ole Grapentin auf. Aber eben nur, wenn alle Stückgüter auch pünktlich in Altentreptow eintrudeln, denn abgeholt werden sie wirklich nur um 6 Uhr. Hin und wieder könne auch mal eine halbe Stunde gewartet werden, sagt der Auszubildende. Doch wenn das alles nicht hilft, dann ist der Transport erst am folgenden Morgen möglich.

Aber der Lkw-Fahrer aus Berlin kommt in dieser Nacht pünktlich. Dann wird klar: Auch Nachtarbeiter kommen an der Bürokratie nicht vorbei. Sie nehmen die Papiere - den Lieferschein sozusagen - entgegen, kontrollieren, ob der Lkw verplombt ist und fotografieren die Ladung. Dabei geht es um einen gesicherten Transport. Die Speditionsmitarbeiter dokumentieren, wie sie die Ladung vorfinden. Den Beweis erbringen sie sowohl für ihren Arbeitgeber - die Spedition Gertner - als auch für den Auftraggeber. ?Gegenseitiges Feedback ist wichtig?, sagt Ole knapp. Er hat zu tun. Sein Gabelstapler rattert. Stück für Stück zieht er die Ladung aus dem Bauch des Lkw. Sein Schichtleiter Matthias Gurisch scannt jede Palette, Ladung und Lieferschein müssen identisch sein.

Um kurz vor vier Uhr ist auch das Büro besetzt. Johannes Braunstein sitzt an diesem Morgen am Schreibtisch und prüft die gescannten Lieferlisten. Und wenn der Speditionskaufmann da ist, dann sind auch die anderen 150 festangestellten Mitarbeiter der Spedition mit dazugehöriger Werkstatt und Paketdienst nicht weit.  Dann kommt der Tag richtig ins Rollen. Bei Ole Grapentin sowieso, er steuert seinen Gabelstapler bis Schichtende um 11 Uhr durch die Halle.


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